Titanic auf Kollisionskurs

Wie man im täglichen Leben anonym bleibt. Diskussion und Erfahrungsaustausch.
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cane

Titanic auf Kollisionskurs

Post by cane » Sat Oct 10, 2015 12:19

In den letzten Monaten sind die Nachrichten über die Probleme des Finanzsytems etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Mal wieder etwas zur Auffrischung: http://www.heise.de/tp/artikel/46/46223/1.html
Die Vorkehrungen für den Notfall laufen auf Hochtouren
....
Außer diesem Einsatz der SZR käme nach jetzigem Stand der Dinge nur noch die (vom IWF bereits 2013 ins Gespräch gebrachte) direkte Enteignung von Bürgern mittels einer einmaligen "Vermögensabgabe" als Maßnahme in Frage. Sie wäre allerdings kaum ohne schwere soziale Verwerfungen durchzusetzen....

Doch selbst wenn dieser Widerstand gebrochen würde, bliebe dennoch die Tatsache, dass beide Maßnahmen - der Einsatz der SZR oder die kalte Enteignung der Bürger - den Zusammenbruch schlussendlich auch nur aufschieben, nicht aber aufhalten oder gar abwenden können. Man kann es drehen und wenden, wie man will, die Wirklichkeit lässt sich nicht überlisten.

rufus
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Re: Titanic auf Kollisionskurs

Post by rufus » Mon Oct 12, 2015 10:33

Mit wieviel Prozent Wahrscheinlichkeit gehen Sie davon aus, dass eine der beiden Varianten eintreten wird? Und wie bereiten Sie sich darauf vor? Schichten Sie Ihr gesamtes Vermögen in Value-Aktien um? Das könnte die Rettung sein, wenn z.B. nur Sichtguthaben enteignet wird.

Ich will auch mal auf den Survivorship-Bias verweisen: Glaskugelbesitzer gibt es viele, aber die meisten liegen daneben.

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GiHimp
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Re: Titanic auf Kollisionskurs

Post by GiHimp » Tue Oct 13, 2015 14:33

rufus wrote:Schichten Sie Ihr gesamtes Vermögen in Value-Aktien um?
„Value-Aktien“? Ha, guter Witz. Wie war das nochmal mit VW? Die ganze Diskussion über Vermögenssicherung macht erst Sinn wenn man sich grundsätzlich erst einmal ernsthaft mit dem Terminus „Geld“ beschäftigt. Bekanntlich regiert Geld die Welt. Die nächste Frage wäre dann: Wer regiert das Geld? Bingo! Gut gefragt, denn hier kommen wir der Ur-Sache schon ein ganzes Stück näher, denn sonst bleibt alles nur semantisch vernebeltes Wischiwaschi.

Als Einstieg in die Thematik muss man das Buch von G. Edward Griffin „Die Kreatur von Jekyll Island“ gelesen haben oder zumindest seinen Inhalt kennen. Nach dieser Lektüre erübrigen sich Begriffe wie „Value-Aktien“, „Sichtguthaben“ oder „kalte Enteignung“ von selbst.

Wenn man Griffins Buch ohne nennenswerte gesundheitliche Schäden überstanden hat, kann man sich der nächsten Stufe zur Wahrheit hin zuwenden. Wer waren diese Männer und woher kamen sie? Hier kann ich das Buch von Douglas Reed „Der Streit um Zion“ empfehlen. Das Vorwort zu diesem Buch kann man getrost vergessen, aber der Inhalt ist reines Dynamit. Sie werden Schwierigkeiten haben dieses Buch überhaupt auftreiben zu können, aber hier wird man evtl. fündig: https://archive.org/details/Reed-Dougla ... it-um-Zion
Der arme Mann muss sich in Südafrika verstecken damit man ihm wegen seinem schonungslos offenen und exzellent recherchiertem Buch nicht den Hals umdreht.
Wenn sich die Kopfschmerzen und Übelkeit nach dieser Lektüre gelegt haben und man glaubt mental stark genug zu sein um noch heftigeren Tobak verkraften zu können, dann kann ich noch einen daraufsetzten. Aber das hebe ich mir für ein andermal auf.

cane

Re: Titanic auf Kollisionskurs

Post by cane » Tue Oct 13, 2015 14:38

Mit wieviel Prozent Wahrscheinlichkeit gehen Sie davon aus, dass eine der beiden Varianten eintreten wird?
Es wird kommen, man kann die Wirklichkeit nicht überlisten. Einige unabhängige Analysten sind der Meinung, dass wir kurz vor einem Crash in der Euro-Region stehen, andere meinen, der große Crash beginnt, wenn Frankreich zum Wackelkandidaten (was nicht mehr weit ist)....

Ich bin kein Analyst, ich habe keine Prophezeiung für den Zeitpunkt.

Gegenwärtig ist weltweit die Menge an Forderungen (Schulden) 4x so groß, wie die gesamte umlaufende Geldmenge aller Volkswirtschaften zusammen. Es ist also unmöglich, alle Schulden zu begleichen. Wer als erster schwächelt....

Je länger sich der Crash verschiebt, desto größer wird die Katastrophe durch einen Zusammenbruch des Geldsystems. Was würde passieren, wenn die Zentralbanken einfach Geld drucken, um die Schulden auszugleichen? Wertverfall.... 1929?

Eine Diktatur könnte die Katastrophe auffangen und die Bevölkerung zwingen, die Lasten zu tragen.


Es gibt auch einen direkten Zusammenhang zum Flüchtlingsproblem. Mit den Flüchtlingen hat man einen idealen Buhmann. Die Wutbürger werden die Schuld den Flüchtlingen geben, also jenen, die noch schwächer sind als sie selbst. Das zeigt sich bereits.

Vielleicht war es ein genialer Schachzug, die europäischen Länder gerade jetzt mit Flüchtlingen zu fluten, wenn man bald einen Sündenbock braucht und ein paar Rufer nach dem "Starken Mann"?

Merkel ist meiner Meinung nach eine Marionette ohne eigene Überzeugung. Die Springer Presse (Bild usw.) haben in erster Linie die Aufgabe der Manipulation der öffentlichen Meinung. Ich glaube es nicht, das plötzlich (nach mehreren Jahren Kriegspolitik) das Mitleid mit der Situation der Menschen in Kriegsgebieten erwacht ist. Millionen Flüchtlinge im Irak waren nicht bedeutsam, Flüchtlinge aus dem bombardierten Libyen waren nicht bedeutsam und nicht willkommen....

(Das ist ausdrücklich eine persönliche Meinung, die ich durch das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt sehe.)

Und wie bereiten Sie sich darauf vor?
Ich denke, alles außer Geld und Papierscheinchen ist brauchbar, um die kleinen Vermögen zu retten. Ich bin keine Finanzexperte und möchte nicht die Verantwortung für meine Ratschläge übernehmen.

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Ochnö
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Re: Titanic auf Kollisionskurs

Post by Ochnö » Tue Oct 13, 2015 15:18

Solche Scenarien hat schon in den 70gern Ludwig Poullain entworfen.Der gefiel sich auch als Doomsday Prophet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Donnerstag

Damals hat man eben kein"Geld gedruckt"und das hat die Sache derart uebel werden lassen.

Paulson entschied auf dem Höhepunkt der Krise 2008, dass die überschuldete Investmentbank Lehman Brothers nicht mit staatlichen Hilfen gerettet werden sollte.
Hatte er Lehmann(Konkurrent seiner Ex.Bank)gerettet und sauber abgewickelt waere es damals nicht so uebel geworden.

Richtig ist das "den Maerkten"verstaerkt Fesseln angelegt werden muessen.Vorschlaege gibt es dafuer reichlich-aber keiner will die Steuern seiner Zockerbuden verlieren und darum geht nichts voran.

cane

Re: Titanic auf Kollisionskurs

Post by cane » Wed Oct 14, 2015 14:10

Solche Scenarien hat schon in den 70gern Ludwig Poullain entworfen.Der gefiel sich auch als Doomsday Prophet.
Wie schon gesagt, ich bin kein Ökonom und mein eigenes Wissen zu der Problematik ist begrenzt.

Es erscheint mir aber einleuchtend, wenn unabhängige Ökonomen das gegenwärtige Schuldensystem als ein gigantisches Ponzischema beschreiben, dass zwangsläufig gegen die Wand läuft, gegen die Wand laufen muss.

Außerdem kann man die Vorgänge in Griechenland nicht so leichtfüßig übergehen, wie es manchmal scheint.

Griechenland wurde meiner Meinung nach geplündert, die unteren Schichten und die Mittelschicht wurden verarmt, um Forderungen der Großbanken zu erfüllen, die mit der Vergabe von Krediten ihr Geld praktisch aus dem Nichts geschaffen haben. Die sogenannten "Hilfspakete" aus den Steuergeldern anderer Länder kamen nicht der griechischen Bevölkerung zugute sondern wurden zum größten Teil zur Begleichung fälliger Schulden an die Großbanken durchgereicht.

Das Beispiel Griechenland hat einmal deutlich demonstriert, wie die kalte Enteignung/Verarmung der Bevölkerung ablaufen kann, wenn die Schuldenfalle zuschnappt. Das kann man nicht ignorieren - oder doch?

(Ok - Voraussetzung ist ein gewissenlose Schuldenpolitik und Verschleierung wirtschaftlicher Probleme durch Politiker im großen Stil. Aber diese Voraussetzung können wir wohl als gegeben annehmen, in der gesamten Eurozone.)

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