Flüchtlinge - Herzlich Willkommen!!

Wie man im täglichen Leben anonym bleibt. Diskussion und Erfahrungsaustausch.
microsoft
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Re: Flüchtlinge - Herzlich Willkommen!!

Post by microsoft » Sun Sep 06, 2015 15:54

Um noch mal auf die Gefahr von irgendwelchen Idioten ala Heidenau zu kommen,

man braucht doch nur mal Wikipedia sowie die Literatur zu bemühen.

Im Lexikon der
http://www.wgsebald.de/LEXIKON_G.html
Seite, findet sich unter Gunzenhausen folgender Bericht:

Gunzenhausen [AW S. 75, 80f]
Um 1900 blühende jüdische Gemeinde, etwa 300 Mitglieder, stetig abnehmend, 1925: 215, 1933: 184. Die meisten Juden Handelsleute, zwei Ärzte; Rabbi kommt aus Ansbach. Starker Rückgang im Zusammenhang mit den in Franken besonders starken antisemitischen Strömungen in der Bevölkerung. Schon 1928 werden in G. Scheiben der Synagoge zertrümmert, 1929 18 Grabsteine des jüdischen Friedhofs umgeworfen und teilweise zerstört. Bereits 1931 Boykott jüdischer Geschäfte. März 1933 werden jüdische Bürger auf der Straße tätlich angegriffen, der Sohn des Metzgers schwer verletzt. 1933 verlassen viele jüdische Familien G., um in Großstädte zu ziehen oder auszuwandern. Die NSDAP erzielt überdurchschnittliche Ergebnisse: 1930 35 % (19 im Reichsdurchschnitt), 1932 66 % Prozent der Stimmen. Bürgermeister Dr. Heinrich Münch tritt 1932 der NSDAP bei, engagierter Repräsentant des Regimes. April 1933 erstes Hitler-Denkmal des Deutschen Reichs, der "Völkische Beobachter" bezeichnet G. als den „besten Bezirk". Das Diakonissen-Mutterhaus Hensoltshöhe pflegt mit seinem Engagement für die NSDAP-nahen "Deutschen Christen" (Bürgermeister Münch gehört als ihr Repräsentant sogar der Landessynode an) die Nähe zum Regime und enge Beziehung zum Gauleiter von Franken Julius Streicher, dem Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes "Der Stürmer", dort häufiger und gern bewirteter Gast, kann in der Zionhalle seine Hetzreden führen, die Leitung des Deutschen Gemeinschafts-Diakonissenverbandes sieht Hitler als Führer und Retter des Vaterlands an, Rektor der Hensoltshöhe Mitglied der NSDAP, und auf so manchem Geburtstag brauner Bürgermeister bringen die Schwestern ein Ständchen. 1934 macht der "Frankenführer" (Streicher) auf der "Höh" seine Aufwartung: er marschiert durch ein Spalier von Schwestern.

"Gunzenhausener Palmsonntagspogrom" vom 25. März 1934: einer der schlimmsten Auswüchse von Judenhass vor der 'Reichskristallnacht' in Bayern sorgt für weltweite Schlagzeilen; so berichten u. a. die New York Times und der Manchester Guardian über die Ausschreitungen in G. Angeführt von der örtlichen SA dringt der Mob gewaltsam in jüdische Wohnungen ein, verschleppt etwa dreißig Männer und Frauen in das Gefängnis ("Schutzhaft"). An dem Pogrom soll sich bis zu einem Drittel der Gunzenhausener Bevölkerung beteiligt haben. Streicher ist in der Stadt. Ein banales Streitgespräch zwischen dem SA-Mann Kurt Bär und dem jüdischen Kaufmann Sigmund Rosenfelder steht am Anfang. Erste Höhepunkte sind die gewaltsame Entfernung des nicht-jüdischen Landwirts Leonhard Baumgärtner durch die SA aus der Wirtschaft Strauss - seit 1906 im Besitz des jüdischen Gastwirts und Metzgers Simon Strauss - bzw. die Jagd nach einem ehemaligen Mitglied des Reichsbanners, dem jüdischen Kaufmann Jakob Rosenfelder. Die Wirtsleute werden bedroht, ihr Sohn Julius unter dem Vorwand, Bär angespuckt zu haben, bewusstlos geschlagen. Der Tag endet damit, dass eine johlende Menge von 1.500 Teilnehmern durch G. zieht. Angestachelt von antisemitischen Hetzreden Bärs dringt sie plündernd und zerstörend in jüdische Wohnungen ein, treibt die Bewohner unter Schlägen ins Gefängnis, dort bis zum Abend des nächsten Tages festgehalten und misshandelt. Max Rosenau und Jakob Rosenfelder kommen unter ungeklärten Umständen ums Leben. Ein höherer SA-Führer, Karl Bär, beendet kurz vor Mitternacht die Gewalt. Im Juni 1934 werden Kurt Bär und rund zwanzig Mittäter in Ansbach zu Haftstrafen (zehn Monate u. a. wegen Landfriedensbruch und Freiheitsberaubung) verurteilt - die Richter bezeichnen die Gewaltakte als „reinigendes Gewitter“. Im April werden Fenster jüdischer Wohnungen und Geschäfte zertrümmert, am 15. Juli erschießt der immer noch freie Kurt Bär aus Rache für dessen belastende Aussage Simon Strauss und verletzt den Sohn Julius schwer. Im August wird Bär deshalb zu lebenslänglich plus zehn Jahren Zuchthaus verurteilt (davon verbüßt er bis zur Begnadigung 1938 vier Jahre). Einen Tag vor der Reichspogromnacht 1938 kauft die Stadt der israelitischen Kultusgemeinde die Synagoge ab, auf Intervention des Feuerwehrleiters als städtischer Besitz von einer Brandschatzung verschont. Symbolisch stürzt man eine Woche später die Kuppeln herab. Auch der Jüdische Friedhof an der Leonhardsruhstraße wird geschändet und weitgehend zerstört. Anfang November 1938 leben 64 jüdische Bürger in G., im Januar 1939 zur "judenfreien" Stadt erklärt. Bis Juni 1938 sind alle jüdischen Geschäfte aufgegeben oder „arisiert“. Die Synagoge wird bis zu ihrem Abriss 1981 gewerblich genutzt.

Durchaus nützlich ist es auch diesen Bericht etwas anders bei Wikipedia nachzulesen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gunzenhausen

Beschriebenes kommt heraus wenn Dummheit und politische Macht sich paaren dürfen.
Besonders in Bayern ist dies in dessen politischen Niederungen bis hin zum Ministerpräsidenten auch derzeit noch zu beobachten, kein Wunder auch, feiern diese lieber einen umstrittenen politisch krimminellen Leichnam ihrer Partei, als sich um ihre
Pflichten zu kümmern. Von Bayern ging Fremdenfeindlichkeit und Intolleranz einst aus, in Heidenau ist sie im Moment angekommen, in Bayern weiterhin latent vorhanden.

Günter Grass schreibt in seinem letzten Buch:

FREMDENFEINDLICH

Als Millionen Vertriebene
mit wenig Gepäck
und lastender Erinnerung
im restlichen Vaterland
zwangseinquatiert wurden,
riefen viele Heimische,
die sich durch Zuzug beengt sahen:
Geht hin wo ihr hergekommen seid!

Aber sie blieben, und eingeübt
blieb der Ruf: Haut endlich ab!
Bald galt er den Fremden,
die später, noch später
von weither gereist kamen
und unverständlich sprachen;
sie blieben gleichfalls
und vermehrten sich seßhaft.

Erst als die immer schon Heimischen
sich fremd genug waren,
begannen auch sie
in all den Fremden,
die mühsam gelernt hatten,
ihr Fremdsein zu ertragen,
sich selbst zu erkennen
und mit ihnen zu leben.

cane

Re: Flüchtlinge - Herzlich Willkommen!!

Post by cane » Tue Sep 08, 2015 11:15

Mal ein anderer Gedanke:

Warum hat Merkel nur die Flüchtlinge aus Syrien eingeladen,

- aber nicht die Iraker (1,8 Mio Iraker haben das Land als Flüchtlinge seit dem US-Krieg verlassen, mehrere Mio Binnenflüchtlinge, die Flucht dauert an)

- und keine Libyer (siehe aktueller Bürgerkrieg ab 2014 https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Libyen_seit_2014 mit "IS", führt aktuell zu einem starken Ansteigen des Flüchtlingsstromes nach Europa, 1,9 Mio Menschen in Libyen brauchen humanitäre Unterstützung)

- keine Afghanen?

- Flüchtlinge aus dem Kosovo werden sogar ausdrücklich abgewiesen, soll ein sicheres Herkunftsland sein - ähmm?


Es ist unter den Flüchtlingen bekannt, dass nur Syrer problemlos Asyl in Deutschland bekommen, es hat sich lebhafter Handel mit syrischen Pässen entwickelt.


Es gibt einen alten Joke: ein Banker (Superreicher), ein "besorgter Bürger" und ein Flüchtling sitzen an einem Tisch. Der Kellner bringt 20 Kekse. Der Superreiche nimmt sich 19 Kekse und sagt zu dem besorgten Bürger: "Hey - pass' auf, der Flüchtling will sich DEINEN Keks nehmen."

(Um es dem besorgten Bürger zu sagen, nutzte der Banker jahrelang die Bild-Zeitung. Jetzt ist die Bild-Zeitung plötzlich pro-Flüchtlinge? Was steckt dahinter?)


Meiner Meinung liegt ein Grund auch in der Situation in Syrien. Assad kontrolliert noch immer die bevölkerungsreichen Teile von Syrien. Nach drei Jahren Bürgerkrieg funktionieren immernoch Teile des zivile Lebens in diesen Gebieten (Krankenhäuser, Lebensmittelverteilungen....)

Diese zivile Leben wird von den Menschen aufrecht erhalten, die jetzt hierher als Flüchtlinge eingeladen wurden. Es sind nicht die Armen und Schwachen, die sich von Syrien aus auf den Weg nach DE machen, sondern jene, die noch Geld und Kraft haben und für die ein Zeltlager in Jordanien bisher keine Alternative war. Sie werden angelockt und sollen Syrien verlassen, sollen sich auf den Weg machen.

Die Konsequenz wird sein, dass das zivile Leben in Syrien zusammenbrechen wird, Assad wird die letzte Unterstützung in der Zivilbevölkerung verlieren ....

Profitieren wird der "IS" und ein paar andere Anti-Assad Islamisten wie Al-Nusra (die heute als "gemäßigt" gelten).

Wenn der "IS" gegen Assad gewinnt, wird es in Syrien ein Massaker geben. Aber Katar wird seine Erdgas Pipeline durch Syrien nach Europa legen können und darauf kommt es an. Assad blockiert seit Jahren dieses Projekt (auf Wunsch von Russland, Gründe sind leicht erkennbar).


Die Gutmenschen, die die Flüchtlinge an den Bahnhöfen willkommen heißen, liefern die Bilder, die die Propaganda-Abteilung braucht, um ganz andere Ziele zu verfolgen.

cane

Re: Flüchtlinge - Herzlich Willkommen!!

Post by cane » Wed Sep 09, 2015 7:28

Weitere Steigerung der Flüchtlingsströme durch UN:

Die meisten syrischen Flüchtlinge hat Jordanien aufgenommen. Dort wurden sie vom UNO Welternährungsprogramm (WFP) versorgt und erhielten 14,- Dollar pro Tag in Lebensmittelgutscheinen.

Die UNO hat die Hilfszahlungen an Flüchtlinge in Jordanien mit sofortiger Wirkung eingestellt. Das Welternährungsprogramm hat kein Geld mehr für die Unterstützung der Flüchtlinge in Jordanien.

Den syrischen Flüchtlingen in Jordanien wird empfohlen, entweder nach Syrien zurück oder nach Europa zu gehen.

cane

Re: Flüchtlinge - Herzlich Willkommen!!

Post by cane » Wed Sep 09, 2015 10:50

Ergänzung:

Die UNO hatte bereits Anfag Juli die Lebensmittelgutscheine für Flüchtlinge in Jordanien auf 13,50 pro Monat gekürzt und angekündigt, dass die Hilfe in Kürze ganz eingestellt werden wird. http://www.deutschlandfunk.de/welternae ... _id=324449

Deutschland hat daraufhin die Unterstüzung Ende Juli ein kleines bisschen erhöht, aber völlig unzureichend: http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... rd-mueller


Das erklärt evtl. die aktuelle Flüchtlingswelle? Bericht des UNHCR zur Situation: "Verzweiflung treibt Tausende Syrer nach Europa"

http://www.unhcr.de/home/artikel/504a60 ... opa-2.html

Vielleicht wäre es besser gewesen, das Welternährungsprogramm finanziell besser für die Versorgung der Flüchtlinge auszustatten um diese Flüchtlingswelle zu verhindern?

Bereits am 1.12.2014 hatte die UNO angekündigt, die Hilfe für Flüchtlinge einzustellen. http://www.n-tv.de/politik/WFP-stellt-L ... 72571.html Diese Ankündigung wurde am 9.12.2014 wieder zurück genommen. Die Probleme bei der Versorgung sind also seit langem bekannt, die Eskalation war seit langem absehbar und wurde ignoriert.

xg27
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Re: Flüchtlinge - Herzlich Willkommen!!

Post by xg27 » Wed Sep 09, 2015 12:10

@cane, das sind alles sehr gute Bemerkungen; die Dinge sind eben nicht immer wie sie scheinen...

nur die Flüchtlinge aus Syrien eingeladen,
....nicht die Iraker...
...... keine Libyer...
...keine Afghanen...
... Kosovo.....?
Das Asylkonzept ist eine Loesung fuer Einzelfaelle; es ist keine Loesung fuer ein Massenphenomaen. Wuerde man allen Leuten aus Herkunftslaendern mit 'unschoenen' Bedingungen automatisch Asyl geben aufgrund ihrer Herkunft, dann betraefe das sofort hunderte Millionen Menschen; und das ist nicht mehr machbar. Man muss eine Auswahl treffen. Die Art dieser Auswahl kann dann durchaus Fragen aufwerfen...

Wir haben also [wieder einmal] die moegliche Instrumentalisierung einer Notwendigkeit.(die Notwendigkeit der Auswahl).

microsoft
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Re: Flüchtlinge - Herzlich Willkommen!!

Post by microsoft » Wed Sep 09, 2015 12:19

Es gibt da ja diesen eher unverdächtigen Landkartenblog. Dieser Kartenfreak deckt anhand von öffentlich zugänglichem Kartenmaterial, im Fall von Syrien, so einiges auf.

Interessant sind seine Schlußfolgerungen.

älteste
http://landkartenindex.blogspot.fr/2015 ... deckt.html

weitere
http://landkartenindex.blogspot.fr/2015 ... h-das.html

neuste
http://landkartenindex.blogspot.fr/2015 ... liert.html

Ich denke, dieser Exitus Syriens hat viele Ursachen.
Eine der Ursachen sind mit Sicherheit auch die Missernten durch die anhaltende Dürre, wenngleich der Wassermangel dort noch ganz andere Ursachen hat.

xg27
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Re: Flüchtlinge - Herzlich Willkommen!!

Post by xg27 » Wed Sep 09, 2015 14:17

microsoft wrote:Es gibt da ja diesen eher unverdächtigen Landkartenblog. Dieser Kartenfreak deckt anhand von öffentlich zugänglichem Kartenmaterial, im Fall von Syrien, so einiges auf.

http://landkartenindex.blogspot.fr/2015 ... deckt.html
http://landkartenindex.blogspot.fr/2015 ... h-das.html
http://landkartenindex.blogspot.fr/2015 ... liert.html
Sieht fast wie eine stille Absprache aus zwischen dem IS, Assad und Erdogan. Nicht gut.

Auffallend: das recht holprige Deutsch des 'Kartenfreaks'.

rufus
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Re: Flüchtlinge - Herzlich Willkommen!!

Post by rufus » Sat Sep 12, 2015 17:51

cane wrote:Weitere Steigerung der Flüchtlingsströme durch UN:

Die meisten syrischen Flüchtlinge hat Jordanien aufgenommen. Dort wurden sie vom UNO Welternährungsprogramm (WFP) versorgt und erhielten 14,- Dollar pro Tag in Lebensmittelgutscheinen.

Die UNO hat die Hilfszahlungen an Flüchtlinge in Jordanien mit sofortiger Wirkung eingestellt. Das Welternährungsprogramm hat kein Geld mehr für die Unterstützung der Flüchtlinge in Jordanien.

Den syrischen Flüchtlingen in Jordanien wird empfohlen, entweder nach Syrien zurück oder nach Europa zu gehen.
Sie legen also nah, die UN will, dass viele nach Europa flüchten. Und was wäre dann die Absicht die dahinter steckt?

rufus
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Re: Flüchtlinge - Herzlich Willkommen!!

Post by rufus » Sat Sep 12, 2015 17:58

xg27 wrote:Das Asylkonzept ist eine Loesung fuer Einzelfaelle; es ist keine Loesung fuer ein Massenphenomaen. Wuerde man allen Leuten aus Herkunftslaendern mit 'unschoenen' Bedingungen automatisch Asyl geben aufgrund ihrer Herkunft, dann betraefe das sofort hunderte Millionen Menschen; und das ist nicht mehr machbar. Man muss eine Auswahl treffen. Die Art dieser Auswahl kann dann durchaus Fragen aufwerfen...
Also mein Eindruck ist der, dass die meisten die es ins Zielgebiet(also Deutschland) schaffe, mehr oder weniger automatisch Asyl bekommen, außer seine Herkunft liegt auf dem europäischen Kontinent selbst (also Balkan).

Der Begriff "politische Verfolgung" wird, das ist mein Eindruck, relativ breitbandig ausgelegt.

Die derzeitige Flüchtlingswelle verstehe ich nicht. Zwar ist der Syrienkrieg Realität, andererseits gab es schon immer Konflikte dieser Art, aber nie Flüchtlingswellen wie diese.

Noch weniger verstehe ich den Deutschland-Hype. Das ein Flüchtling nicht in Ungarn registriert werden möchte, mag ja noch nachvollziehbar sein. Was aber spricht gegen Österreich. Schlichte Unkenntnis? Oder wird Deutschland einfach völlig überschätzt? In letzterem Fall wäre zu hoffen, dass der Fall auf den Boden der Realität nicht allzu hart wird.

Um auf den zitierten Post von xg27 zurückzukommen: Das ist völlig plausibel. Der Strom geht aber erstmal weiter. Wie er künftig entwickeln wird kann ich nicht abschätzen, da ich die Gründe für die aktuelle Entwicklung nicht verstehe. Irgendwas wird aber wohl passieren. Ich habe, ähnlich wie kürzlich in der Griechenland-Sache, keine Ahnung was passieren könnte. Das die Asylgesetzgebung geändert wird, oder die Auslegung der Gesetze gravierend anders wird, vermute ich nicht. Das würde sicher einen Sturm der Entrüstung auslösen, und wäre weder innen- noch außenpolitisch haltbar, glaube ich. Aufnahme "open end" dagegen würde früher oder später vermutlich zu Unruhen führen. Wenn der Strom irgendwie bewusst erzeugt wurde und gesteuert wird, wie manche hier nahe legen, könnte es sein, dass er einfach zum Erliegen gebracht wird, nachdem die gesetzen Ziel erreiche wurden.

Ich verstehe dann aber immer noch nicht, welche Ziele das sein könnten.

Auf Denkanstöße freue ich mich.

cane

Re: Flüchtlinge - Herzlich Willkommen!!

Post by cane » Sun Sep 13, 2015 9:51

Die derzeitige Flüchtlingswelle verstehe ich nicht.
Die meisten Flücjtlinge aus Syrien und Irak waren in Lagern in Jordanien und Libanon untergekommen. Diese armen Länder können die Versorgung nicht sicherstellen.

Die UNO hat bisher die notwendigste Versorgung mit Lebensmitteln mit Geldern aus dem Welternährungsprogramm übernommen und Lebensmittelgutscheine von 40,- Euro pro Person und Monat verteilt.

Anfang Juli hat die UNO endgültig verkündet, dass kein Geld mehr vorhanden ist. Die Gutscheine wurden auf 13,50 Euro pro Monat reduziert und die vollständige Beendigung des Programms angekündigt. Vor wenigen Tagen wurde die Ausgabe von Lebensmittelgutscheinen in Jordanien ganz eingestellt.

Gleichzeitig hat die UNO den 1 Mio. Flüchtlingen aus Syrien und Irak empfohlen, entweder zurück nach Syrien oder nach Europa zu gehen, wenn sie nicht verhungern wollen. Das hat die aktuelle Flüchtlingswelle auf der "Balkanroute" ausgelöst.

In den deutschen Medien werden diese Hintergründe wenig thematisiert, da man sich dann nicht mehr als Gutmensch fühlen kann, wenn man erkennt, dass die reichen Länder die Hilfe vor Ort verweigert haben.

Die UNO hatte bereits im Dez. 2014 angekündigt, die Lebensmittelversorgung der Flüchtlinge in Jordanien einzustellen, weil kein Geld mehr da ist. Auf Druck der europäischen Länder wurde diese Ankündigung 1 Woche später wieder zurück genommen.

(Links siehe mein Beitrag oben.)

Ergänzung: Parallel dazu eskaliert seit einigen Monaten die Lage in Libyen (das Land wurde vor Kurzem in die Freiheit bombardiert, man erinnert sich vielleicht). Auch dort hat die "IS" einen Kampf begonnen.

Da in Libyen auch viele Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Ländern gestrandet sind, für die die Situation jetzt unerträglich wird, wurde eine aktuelle Flüchtlingswelle auf der "Mittelmeerroute" ausgelöst (die in den Medien in den letzten Wochen etwas zurück gedrängt wurde durch die "Balkanroute").
Zwar ist der Syrienkrieg Realität, andererseits gab es schon immer Konflikte dieser Art.
Dieser Konflikt hat einen neue Qualität durch die Einbettung in geopolitische Interessen.

Die Ölscheichs aus Katar und Saudi Arabien wollen eine dicke Erdgas und -öl Leitung nach Europa bauen. Das wird von den europäischen Regierungen begrüßt, um Russland aus dem Geschäft zu drängen. (Das Zurückdrängen von Russland ist notwendig, da die BRICS die Hegemonie der USA immer mehr in Frage stellen, die zukünftige Welt eher als Multipol sehen wollen und z.B. eine Alternative zur Weltbank aufbauen wollen.)

Aus irgendwelchen Gründen muss die Leitung durch Syrien gehen (Irak ist nicht möglich....). Assad hat sich als Verbündeter Russlands geweigert, also musste er weg.

Man hat mit den gemäßigten Rebellen angefangen und sie ausgerüstet, eine Exilregierung aufgebaut, die von den europäischen Regierungen auch anerkannt wurde, die aber völlig bedeutungslos blieb.

Dann kam die Al-Nusra-Front u.ä. mit ihrem Terror. (Heute gilt die Al-Nusra Front als gemäßigt im Vergleich zur "IS", von der Exilregierung spricht keiner mehr.)

Trotzdem hält sich Assad nach drei Jahren Bürgerkrieg vor allem in den bevölkerungsreichen Gebieten. Das geht nur, wenn er wesentlichen Rückhalt in der Bevölkerung hat. Es fällt einige Leuten schwer, das anzuerkennen.

Den Scheichs dauerte das alles zu lange und sie haben deshalb die "IS" aufgepäppelt (mit Waffen und anfangs nahezu unbegrenzte finanziellen Mitteln in Aussicht gestellt), um das Problem "Assad" endlich zu lösen. Die westlichen Geheimdienste waren lange Zeit über den Aufbau der Terrororganisation mit Finanzierung von den Scheichs informiert, wie aktuelle Leaks zeigen. Es wurde in Kauf genommen Geostrategisch sind es die gleichen Ziele nur die Mittel sind ....

(Das ist meine Sicht.)

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