Seit Freitag ist eine neue Stufe der Zensur im Iran aktiv. Mittels Deep packet Inspetion (DPI) wird SSL-verschlüsselter Traffic blockiert. Zusätzlich werden selektiv IP-Adressen und Ports gesperrt. Als dritte Stufe der Filterung erfolgt ein Scannen des unverschlüsselten Traffics nach Keywörtern. Die Zensur betrifft nicht alle Internetverbindungen. Eine zentrale Rolle spielt das staatlich kontrollierte Autonome System AS12880.
Möglicherweise wurde diese neue, intensive Stufe der Internet-Zensur anläßlich des 33. Jahrestages der Islamischen Revolution installiert. In den letzten Jahren kam es anläßlich dieses Feiertages immer wieder zu landesweiten Protesten. Es ist daher denkbar, dass die Zensur in wenigen Tagen wieder zurück genommen wird.
Wir haben erste Berichte über die Auswirkung der neuen Einschränkungen von iranischen Nutzern erhalten. Der Zugriff auf GMail, Yahoo! oder andere Internetdienste mit SSL-verschlüsseltem Login ist nicht mehr möglich. Für Anonymisierungsdienste ist die Situation unterschiedlich.
- JonDonym ist durch die neuen Maßnahmen nicht zusätzlich eingeschränkt. Der seit Frühjahr 2011 im JonDo verfügbare Assistent kann die neuen Zensurmaßnahmen erkennen und automatisch umgehen. Die Anti-Zensur-Forwarder funktionieren weiterhin, wenn Verbindungen zu den Mixkaskden und Infoservices anhand der IP-Adressen blockiert werden. Gelegentlich kommt es aber zu deutlicher Verringerung der Geschwindigkeit.
- Tor war in den ersten Tagen nicht in der Lage, die neuen Zensurmaßnahmen zu umgehen. Das Tor Metrics Projekt zeigt einen deutlichen Einbruch bei den Nutzerzahlen aus dem Iran (sowohl für direkte Verbindungen, als auch für Verbindungen über Bridges):
Eine Lösung für das Problem hat TorProject.org bereits erarbeitet. Neue Bridges mit obfuscated encryption werden in der Lage sein, diese Sperren zu umgehen.
- VPN Services mit SSL-Verschlüsselung (wie Ultrasurf und andere) sind nicht in der Lage, die neuen Sperren zu umgehen und haben zumeist auch keine Ideen für zukünftige Lösungen.
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Update: (15.02.2012) Die verschärfte Zensur wurde scheinbar nach 2-3 Tagen aufgehoben. Tor ist im Iran wieder erreichbar, auch via direkte Verbindung.