Do Not Track ist ein Signal, das Surfer mit ihrem Browser an alle besuchten Websites senden können, um dem Wunsch Ausdruck zu geben, nicht in ihrem Surfverhalten verfogt zu werden. Ob dieser Wunsch respektiert wird oder ignoriert wird, kann der Surfer nicht beeinflussen. Auf Druck der FTC haben die großen Player, die 90% des amerikanischen Marktes abdecken (inklusive Google, Twitter und weitere), die Unterstützung von Do Not Track spätestens ab Ende des Jahres angekündigt. In den Kommentaren zur Europäischen Datenschutz Richtlinie wird Do Not Track als geeignetes Mittel angesehen, mit dem Surfer ihre Preferenzen zum Ausdruck bringen können und das zukünftig zu respektieren ist.
Do Not Track wird gegenwärtig vom W3C standartisiert (aktueller Entwurf). Unstrittig ist die technische Umsetzung. Es wird ein zusätzlicher HTTP-Header genuzt, der den Wert "0" oder "1" haben kann oder nicht vorhanden ist. Gestritten wird noch um die Auslegung dieses Signals. Wahrscheinlich wird Do Not Track nur für Drittseiten und Werbung von Drittanbietern von Bedeutung sein. Webseiten, die der Surfer bewusst aufgerufen hat (mit Klick auf einen Link oder Eingabe der URL), werden weiterhin den Surfer beobachten und tracken dürfen, auch wenn Do Not Track aktiviert wurde. Die ursprüngliche Zielstellung wurde damit stark verwässert.
Vor einer Woche gab es eine Anhörung des US Senate Commerce Committee zu den Probleme von Online-Tracking und Do Not Track. B. Liodice von der Werbeindustrie argumentierte, dass die Datensammlungen über unser Surfverhalten für die Sicherheit im Cyberspace notwendig sind. Auf Nachfrage nannte er Sexualstraftaten und Identitätsdiebstahl.
Die EFF.org hat das Protokoll der Anhörung ausgewertet und kommt zu dem Schluss, das die Datensammlungen der Werbeindustrie über unser Surfverhalten bereits im Bereich der Strafverfolgung (und Geheimdienste?) genutzt werden.
In yesterday’s Senate hearing, we heard the advertising industry admit that their near-ubiquitous online tracking program is being used for issues that are the purview of law enforcement. EFF.org, June 29, 2012
Dieses Ergebnis der Anhörung wirft viele weitere Fragen auf, die noch zu beantworten sind. Vor allem liefert es aber einen weiteren Grund, sich gegen Tracking des Surfverhaltens aktiv zu schützen.